Edenkoben bis Pirmasens — die 145-Kilometer-Linie durch den Pfälzer Wald
Eine Tagestour zwischen Deutscher Weinstraße und dem Wasgau: über Sankt Martin, Rhodt, Annweiler und den Trifels nach Hauenstein. Mit Schoppen-Stopps, Burgen-Variante und einer Notiz zur Nachfolge-Vegetation der Mandelblüte im Frühsommer.
Wer im Juni die klassische Pfälzer-Wald-Linie fährt, bekommt eine Strecke, die im März die Mandelblüten-Touristen sortenfremd überfüllt — und im Frühsommer die Ruhe zurückbekommen hat, die sie in einem Tour-Wochenende verdient. 145 Kilometer von Edenkoben über Sankt Martin, Rhodt unter Rietburg, Burrweiler, Annweiler am Trifels, Eußerthal, Hauenstein bis Pirmasens. Die Route lässt sich an einem langen Tag fahren, sie lässt sich auch — die hier empfohlene Variante — auf zwei halbe Tage strecken, mit einer Übernachtung in Annweiler oder Hauenstein.
Der Startpunkt Edenkoben liegt an der Deutschen Weinstraße auf 175 Höhenmetern. Wer aus dem Rhein-Neckar-Raum anrollt, nimmt die L 516 als entspannte Auftakt-Etappe. Wer aus dem Saarland kommt, hat den Anschluss über die A 8 und die A 65 in Edenkoben mit einer einzigen Ausfahrt erreicht. Die Tank-Lage vor Start ist trivial — Edenkoben hat drei Tankstellen, eine davon direkt am Ortseingang aus Richtung Norden.
Die Wein-Etappe — Sankt Martin, Rhodt, Burrweiler
Von Edenkoben Richtung Sankt Martin sind es vier Kilometer auf der L 506. Die Strecke ist landschaftlich eher Vorstufe als Höhepunkt — Weinberg-Landschaft, mäßige Kurven, ruhiger Verkehr außerhalb der Touristen-Spitzen. Sankt Martin selbst ist der erste lohnende Stopp. Der Ort liegt auf 200 Höhenmetern am Ostrand des Haardt-Massivs, die Altstadt mit den Fachwerkfassaden ist gut erhalten, die Weinstube am Marktplatz hat den Sommer-Betrieb verlässlich aufgenommen. Wer am Vormittag durchfährt, nimmt einen Schoppen Weißburgunder mit auf die Außenterrasse — das ist die Pfalz-Tour-Klassik.
Von Sankt Martin nach Rhodt unter Rietburg sind es weitere drei Kilometer auf der L 506. Die Schwarzwild-Hütte oberhalb von Rhodt — eine Wanderhütte mit angeschlossener Gastronomie — ist im Juni wochenends ab 11 Uhr geöffnet, unter der Woche besser anrufen. Die Aussicht von der Hütten-Terrasse über die Rheinebene bis ins Bergische ist bei klarem Wetter das, wofür man die Pfalz besucht. Die Hütte liegt auf 380 Metern und ist von Rhodt aus über eine kurze Stichstraße erreichbar, die im trockenen Belag problemlos befahrbar ist.
Burrweiler schließt die Wein-Etappe ab. Der Ort liegt im Tal, die L 507 führt weiter Richtung Annweiler. Hier wechselt der Charakter der Strecke. Bis Burrweiler war die Tour mediterran-offen, ab hier wird sie Mittelgebirge — engere Kurven, dichterer Wald, mehr Topographie.
Annweiler und der Trifels
Von Burrweiler über die L 507 und L 506 nach Annweiler sind 18 Kilometer mit anspruchsvollem Streckencharakter. Die Strecke schlängelt durch den Edenkobener Tal-Abschluss, gewinnt 250 Höhenmeter und führt über zwei mittelschwere Pässe. Die Linienführung ist klassisch — lange Anfahrt, später Scheitelpunkt, früher Blick auf den Kurvenausgang. Wer die Linie sauber fährt, gewinnt zwei bis drei Sekunden pro Kurve gegenüber der defensiven Touristen-Linie. Wer sie nicht sauber fährt, lernt den Sicherheits-Abstand vor dem Reisemobil-Heck.
Annweiler am Trifels liegt auf 180 Metern an der Queich, ist mit 7.000 Einwohnern die Stadt-Etappe der Tour und bietet Übernachtungen, Tank-Möglichkeit und das mittelalterliche Stadtbild als Pause-Argument. Der Trifels selbst — die Burg auf dem Sonnenberg über der Stadt — ist über eine Stichstraße erreichbar, die in der oberen Hälfte für Krafträder offen ist. Die letzten 800 Meter zum Burg-Parkplatz sind zu Fuß. Die Burg ist im Juni täglich außer Montag geöffnet, der Eintritt liegt im üblichen Rahmen. Wer sich für staufische Geschichte interessiert, plant 90 Minuten ein. Wer nur die Aussicht über den Pfälzer Wald sucht, ist nach 30 Minuten zurück am Krad.
Die Madenburg-Variante — alternativ statt oder zusätzlich zum Trifels — liegt 12 Kilometer südwestlich von Annweiler, oberhalb von Eschbach. Anfahrt über die K 9 und eine Stichstraße. Die Burg-Ruine ist frei zugänglich, die Burgschänke hat im Sommer wochenends Betrieb. Die Aussicht reicht bei klarer Sicht bis zur Hornisgrinde im Schwarzwald.
Eußerthal, Hauenstein, der Wasgau
Von Annweiler über die L 506 nach Eußerthal sind 11 Kilometer, davon die hälfte im engen Tal. Die Strecke ist im Belag wechselhaft — Frühjahrsschäden im oberen Abschnitt sind im Frühsommer notdürftig geflickt, der Mittelstreifen ist die belastbare Linie. Eußerthal selbst ist mit der ehemaligen Zisterzienser-Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert ein kurzer Halt wert. Von Eußerthal weiter auf die L 490 Richtung Wilgartswiesen und dann auf die B 10 westwärts.
Die B 10 ist der einzige Abschnitt der Tour, der den Charakter wechselt. Schnellstraßen-Standard, zwei Spuren je Richtung, Tempolimit 100. Wer den schnellen Korridor nicht möchte, nimmt die parallel verlaufende L 499 durch Hauenstein. Die Strecke ist länger, aber landschaftlich konsistenter und für Tour-Tempo besser geeignet.
Hauenstein selbst ist die Schuh-Hauptstadt der Pfalz und hat das Schuh-Museum als touristischen Anker. Für Tour-Fahrer:innen interessanter ist die Lage am Rand des Wasgaus — ab Hauenstein wird der Pfälzer Wald felsiger, die roten Sandsteinformationen prägen das Landschaftsbild. Die letzten 25 Kilometer nach Pirmasens auf der L 487 sind die landschaftlich dichteste Etappe der Tour: Buntsandstein-Felsen, dichter Mischwald, gelegentliche Aussichten in die Südwest-Pfalz. Wer Zeit hat, nimmt den Umweg über Lemberg und die Burgruine Lemberg mit — fünf Kilometer länger, dafür eine der landschaftlich stärksten Burg-Lagen der Region.
Nachfolge-Vegetation und Wetter-Praxis
Ein Wort zur Mandelblüte, die der Anlass für viele März-April-Touren in der Pfalz ist. Im Juni ist die Blüte vorbei, die Mandelbäume tragen die ersten Früchte. Was die Strecke trotzdem im Sommer lohnt, ist die Nachfolge-Vegetation: Holunder in voller Blüte, Wein in der Blüte-Phase, an den Burg-Hängen die ersten Distel-Blühten. Die Pfalz im Juni ist nicht die Pfalz-Karten-Postkarte, sondern die fahrbare, ruhige Tour-Pfalz.
Das Wetter-Risiko bleibt im Juni moderat. Der Pfälzer Wald produziert bei labiler Luftmasse Nachmittags-Gewitter, die innerhalb von 40 Minuten aus klarem Himmel kommen. Wer um 11 Uhr in Edenkoben startet, ist um 17 Uhr in Pirmasens — das ist im normalen Wetter-Fenster. Wer um 13 Uhr startet, sollte den Regen-Anzug griffbereit haben.
Pirmasens als Endpunkt bietet Übernachtungen im üblichen Mittelklasse-Bereich, einen Anschluss an die B 270 Richtung Saarland und an die B 10 Richtung Süden ins Elsass. Wer als Tagesschleife zurück nach Edenkoben fährt, nimmt nicht dieselbe Strecke. Die Rück-Linie über Dahn, die Burg Berwartstein und die B 427 durch das südliche Wasgau ist mit 95 Kilometern kürzer als die Hin-Tour, landschaftlich aber eigenständig. Eine zweite Tour, die einen eigenen Bericht verdient.